Fera II – Die nächste Generation

Die ersten Schritte sind getan … und können nun auch nicht mehr rückgängig gemacht werden, selbst wenn gewollt.

Viel Zeit ist vergangen und die Krieger von damals sind erwachsen geworden. Karin und Martin haben sich gegen den Willen der Natur und füreinander entschieden. Sie lieben einander und ihr gemeinsames Kind Anschela von ganzem Herzen.
Doch während Martin seiner kleinen Tochter alles über ihre Fähigkeiten erzählen will, möchte Karin ihr eine unbeschwerte Kindheit ermöglichen.
Die Entscheidung wird ihnen abgenommen. Ein neuer Feind nimmt Gestalt an und vergreift sich an unschuldigen Kindern.
Als ob die neuen Gegner nicht schon genug wären, taucht auch ein unbekannter Krieger auf und sorgt für Verwirrung. Es ist nicht klar, auf welcher Seite er steht und was seine Ziele sind … sie scheinen denen des Feindes sehr ähnlich zu sein.
Dem Fera-Team bleibt nichts anderes übrig, als erneut in den Kampf zu ziehen.

Hin- und Hergerissen zwischen dem Leben eines lebensfrohen Teenagers und einer pflichtbewussten Kriegerin muss Anschela ihren eigenen Weg finden. Irgendetwas verschweigen ihr die anderen Team-Mitglieder. Ständig soll sie sich an Regeln halten, die ihr keiner so recht erklären will. Warum soll Erfahrung alles sein … wenn ihr Herz doch etwas ganz anderes für richtig hält?

Leseprobe:

„Celer“, fragte Anschela am Abend und drehte sich in ihrem Bett herum, „warum können wir den roten Krieger nicht fragen, ob er zu uns gehört?“
Celer, der auf ihrem Bett lag, sah sie müde an, streckte sich und murmelte: „Weil er es nicht tut … so einfach.“
„Aber du hast dich auch bei meinem Papa geirrt“, gab das blonde Mädchen zu bedenken.
Der Kater warf ihr strafende Blicke zu und meinte: „Ich habe mich nicht in ihm geirrt. Er gehörte nicht zum Fera-Team! Woher hätte ich wissen sollen, dass er ein Prinz des Firmaments ist? Niemand hat mir gesagt, dass die Prinzessin des Lebens Geschwister hat. Schlaf jetzt. Es ist schon spät und du musst morgen wieder zur Schule. Auch Krieger müssen zur Schule.“
„Aber er hat versucht die Kinder zu beschützen!“, versuchte es Anschela weiter.
Das Tier atmete tief durch und murmelte: „Anschela, wir wissen, was du glaubst gesehen zu haben. Aber ich halte es für wesentlich wahrscheinlicher, dass er genauso unser Feind ist wie diese haarigen Monster. Vielleicht ein Konkurrenzkampf unter unseren Feinden … oder vielleicht … Fera sei uns gnädig, haben wir zwei Feinde zur selben Zeit die hinter demselben her sind. Das wäre furchtbar, aber möglich.“
Der Kater sah das blonde Mädchen entgeistert an. Er schien bereits den Weltuntergang vorherzusehen.
„Aber er hat den Kindern nichts getan. Er hat Christin zurückgelassen“, brummte sie beleidigt und hob ihr Stubsnäschen.
Der Kater schüttelte den Kopf, legte sich wieder hin, schloss die Augen und flüsterte leise: „Wenn wir Glück haben, dann ist er nicht ganz so skrupellos wie die haarigen Monster. Was ihn aber nicht weniger zu unserem Feind macht.“
Anschela verzog zwar ihr Gesicht, knuddelte dann aber ihren Kater und flüsterte: „Du bist sooo süß!“
Celer stöhnte auf und murrte: „Danke, das weiß ich. Damit stimmst du mich nicht um. Er ist ein Feind, basta! Wenn du nicht schlafen kannst, dann lass zumindest mich es versuchen.“
Das blonde Mädchen lächelte und streichelte den Kater, bis er wieder tief und fest zu ihren Beinen schlief. Anschela atmete tief durch, warf noch einmal einen kurzen Blick zum Fenster, der Wind rief nach ihr, und hielt inne. Mit großen Augen ging sie zu ihrem Schreibtisch und sah gebannt beim Fenster hinaus. Im Nachbarhaus brannte rotes Licht im Kinderzimmer und das Fenster war trotz der Kälte offen. Sie kannte den Nachbarsjungen gut, sie hatte schon ein paar Mal auf ihn aufgepasst, wenn die Eltern von Raul zu zweit ausgehen wollten. In seinem Zimmer gab es kein rotes Licht … und zu der Zeit war der kleine Junge bestimmt nicht mehr wach.
Anschela warf einen Blick über ihre Schulter, Celer schlief und die Neugierde juckte sie unter den Fingernägeln. Sie nahm ihre Haarspange vom Nachtkästchen, steckte sie sich ins Haar und verwandelte sich in Columba.
Hellblaues Licht legte sich für einen Moment auf ihre Haut und gab sie sofort wieder als Vogelkriegerin frei. Ihre Haut fühlte sich glatter an, ihr Körper leichter. Ihre Augen machten mehr in der Dunkelheit aus, die Finsternis konnte nicht mehr alles vor ihr verbergen.
Leise öffnete sie das Fenster, der Wind war sofort an ihrer Seite. Geschickt kletterte sie, ohne etwas mit ihren klauenartigen Füßen zu beschädigen, auf das Fensterbrett und sprang furchtlos hinaus in die Dunkelheit. Der Wind fing sich unter ihren weißen Flügeln und trug sie bis vor das Fenster des Kinderzimmers im ersten Stock. Vorsichtig hielt sie sich am Fensterbrett fest und beugte sich etwas in das Zimmer, um zum Bett des Kindes zu sehen. Columbas Augen weiteten sich, als sie neben dem Bett des Jungens den unbekannten Krieger stehen sah. Er hatte sich weit über den Jungen gebeugt und hielt seine Hand gegen die Stirn des Kindes. War etwa er der verrückte Einbrecher? Raul schien tief und fest zu schlafen und keine Schmerzen zu haben. Dennoch genügte es Columba. Was auch immer dieser fremde Krieger tat, es glich zu sehr dem, was Neco mit ihr getan hatte.
Noch bevor sie entscheiden konnte, was sie nun tun sollte, wirbelte der unbekannte junge Krieger herum, sprang aus dem Fenster und warf sie mit sich zu Boden.
Columba war vor Schreck wie gelähmt und der Aufprall presste jede Luft aus ihren Lungen. Mit weit aufgerissenen Augen, am ganzen Leib zitternd, starrte sie den unbekannten Krieger an und bemerkte, dass von seinen Wunden nichts mehr zu sehen war.
Serpens musterte sie ebenfalls und an seinem Blick war zu erkennen, dass er nicht recht wusste, was er mit ihr machen sollte.
„Wer oder was bist du?“, fragte er dann im Flüsterton und drückte sie noch fester zu Boden.
„Columba … ich bin eine Fera-Kriegerin“, presste das Vogelwesen ängstlich heraus.
„Eine was?“, verlangte er zischend zu wissen.
Seine schwarzen Augen schienen sie zu durchbohren, sie konnte seinem Blick nicht standhalten. Columba hielt es nicht mehr aus. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, ihre Eingeweide hatten sich zu Stein verwandelt und sie hatte das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen.
Bis eben hatte sie erstarrt unter dem Krieger gelegen, doch jetzt holte sie panisch aus, verpasste ihm einen Schlag, den sie in Karate gelernt hatte, gegen sein Ohr und warf ihn von sich herunter. Noch bevor er nach ihr schnappen konnte, war sie vom Boden weggesprungen und flüchtete in die Finsternis des Nachthimmels.